Aminosäuren – Bausteine des Lebens
Heilpraktiker Holger Brüning - Hilders-Wickers

Was sind Aminosäuren?

Aminosäuren sind die kleinsten Bausteine der Eiweiße. Im menschlichen Körper sind über 20 verschiedene Aminosäuren bekannt. Hierbei unterscheidet man essenzielle Aminosäuren, die der Körper nicht selber herstellen kann und mit der Nahrung zugeführt werden müssen, von nicht-essenziellen Aminosäuren.

 

Die Bedeutung von Aminosäuren

In der Biochemie des Körpers sind vor allem die L-Aminosäuren von großer Bedeutung, da sie Bausteine von Eiweißen (Peptide, Proteine) sind. Dabei kann ein Polypeptid aus 10 bis 100 Aminosäuren bestehen und ein Protein besteht aus über 100 Aminosäuren.

Aminosäuren werden für viele wichtige Aufgaben im Körper benötigt. Sie haben Wirkungen bzw. Auswirkungen auf Blutbestandteile, Hormone, Enzyme, Botenstoffe im Gehirn, Knochen, Haare, Haut, Muskeln, Immunsystem, antivirale Wirkung, Fettsäureverbindungen, Zinkaufnahme, Stickoxidabbau, als Schwefel Lieferant, etc. Sie kommen also in fast allen Bereichen und Funktionen des Körpers vor. Meistens kennt man sie jedoch nur zum Aufbau der Muskelmasse.

Darum ist es wichtig, Aminosäuren in ausreichender Menge zu sich zu nehmen. Besonders in der Schwangerschaft, bei Verletzungen zur Gewebereparatur, bei bestimmten Erkrankungen und im Wachstum.

 

Aufnahme von Aminosäuren

Mit der Nahrungsaufnahme wird das Eiweiß im Magen, durch die Magensäure, denaturiert (strukturelle Veränderung von Biomolekülen) und durch das Enzym Pepsin aufgespaltet.

Im Dünndarm gelangt Pankreassekret (Peptidbindungshydrolasen: eiweißspaltende Enzyme) zu dem vorverdauten Speisebrei, um die Proteine und Polypeptide noch weiter in Oligopeptide, Tri-und Dipeptide zu zerlegen. Hierbei sind Trypsin, Chymotrypsin und Elastase im Einsatz.

Zusammenfassend geht es also darum, die großen Eiweißverbindungen zu immer kleineren aufzuspalten, so dass der Körper diese aufnehmen kann.

Ca. 50% – 60% werden im Zwölffingerdarm aufgenommen, weitere 30% – 40% im Dünndarm. Ein sehr geringer Teil verlässt mit dem Stuhl den Körper.

 

Aufnahmestörung von Eiweißen bzw. Aminosäuren

Magensäure wird für die Denaturierung (strukturelle Veränderung von Biomolekülen) benötigt. Nun gibt es jedoch unterschiedliche Mechanismen, die dazu führen, das nicht genügend Magensäure gebildet wird.

Zum einen durch Einnahme von PPH bzw. PPI (Protonenpumpenhemmer / Inhibitoren), sogenannte Magenschutzmittel. Hier wären z. B. Omeprazol und Pantoprazol zu nennen. Dadurch werden die Belegzellen im Magen daran gehindert, Magensäure zu bilden. Ohne die nötige Magensäure wird Pepsinogen nicht in Pepsin umgewandelt, was für die Eiweißspaltung benötigt wird. Also werden damit wichtige Schritte im Vorfeld der Aufspaltung von Eiweißen verhindert. Dadurch gelangen die größeren Eiweißbestandteile in den Dünndarm und können nicht mehr in ihrer Gänze für eine gute Aufnahme aufgespalten werden.

Durch längere Einnahme von PPIs kommt es noch zu einem weiteren Mangel. Die Belegzellen im Magen produzieren auch den Intrinsic-Faktor. Dieser wird benötigt, um Cobalamin, also Vitamin B12, aufzunehmen.

Eine Störung des Eiweißhaushaltes kann im Blut- und Stuhllabor recht gut untersucht werden. Das Gesamteiweiß ist nicht immer aussagekräftig, da der Körper in „Notzeiten“ Eiweiße aus nicht dringend benötigten Gebieten des Körpers abbaut, um so ein Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Selbst antlitzdiagnostisch kann ein Eiweißmangel zu verschiedenen Merkmalen führen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine Störung des Eiweißhaushaltes an zu schnellem Essen (Magen kann nicht genügend Salzsäure bilden) oder einer Einnahme vom „Magenschutzmitteln“ liegen kann. Ursache  könnten auch eine Störung der Bauchspeicheldrüse, des Darmes oder das altersbedingte, physiologische Nachlassen der Organe sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt je nach Alter unterschiedliche Mengen der Eiweißzufuhr. Kleinkinder unter 4 Jahren, Schwangere und stillende Mütter  benötigen zwischen 0,9 g bis 1,0 g je Kilogramm Körpergewicht. Bis zu einem Alter von 65 Jahren werden 0,8 g bis 0,9 g je Kilogramm Körpergewicht empfohlen. Menschen über 65 Jahren werden 1,0 g je Kilogramm Körpergewicht empfohlen.

 

Essenzielle Aminosäuren

Wie oben schon erwähnt, zerlegt der Körper die aufgenommenen Eiweiße in L-Aminosäuren. Darum habe ich bei der Auflistung der einzelnen Aminosäuren das „L“ vorangestellt.

Einige essenzielle Aminosäuren werden in der Leber zu nicht-essenziellen Aminosäuren umgewandelt. Somit können bei Lebererkrankung nicht-essenzielle Aminosäuren zu essenziellen werden, die zugeführt werden müssen.

L-Leucin

L-Isoleucin

L-Valin

L-Lysin

L-Threonin

L-Methionin

L-Phenylalanin,

L-Tryptophan

L-Histidin

Nicht-essenzielle Aminosäuren

L-Arginin

L-Cystein

L-Alanin

L-Asparaginsäure

L-Glutaminsäure

L-Glycin

L-Prolin

L-Serin

L-Tyrosin

 

Welche Form von Aminosäuren nehmen?

Aminosäuren werden heute aus unterschiedlichen Ausgangsstoffen hergestellt. Am bekanntesten ist wohl die Herstellung aus Fleisch.

Was ist aber  für Veganer oder Vegetarier geeignet? Für Vegetarier kommen die Aminosäuren als Hydrolysat in Frage. Dabei wird Molkeeiweiß durch Enzyme in Di- und Tripeptide aufgespalten, die sehr gut vom Körper aufgenommen werden können.

Für Veganer kommen nur Aminosäuren aus pflanzlicher Herstellung in Frage. Vielleicht kennen Sie den alten Spruch:“Bohnen und Hülsenfrüchte sind die Eiweiße des armen Mannes.“ Inzwischen wird Fleisch leider zum allergrößten Teil als „Billigware“ von sehr schlechter Qualität produziert und der Spruch trifft nicht mehr die Wahrheit. Aminosäuren aus Reis, Hülsenfrüchten, Bohnen, Erbsen, Soja, Weizen und Hanf sind noch immer – oder umso mehr – eine sehr gute Alternative.

Die beste Aufnahme wird erreicht, wenn die Aminosäuren nüchtern eingenommen werden.